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Klebengeblieben

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 20.12.2016 13:13

China hat sich als eine wahre Fundgrube für kreidezeitliche Dinosaurier, speziell solche mit Federn, erwiesen. Die jüngste Sensation stammt jedoch nicht aus den bekannten Fundstätten rings um die nordöstliche Provinz Liaoning, sondern von einem Bernsteinmarkt im benachbarten Myanmar. Es ist das erste eindeutige Saurierfossil, das sich in Bernstein erhalten hat, und es besitzt - natürlich - Federn. In der aktuellen Ausgabe von "Current Biology" wird das Fossil vorgestellt.

Bernstein mit Dino-Schwanz aus der mittleren Kreidezeit. (Bild: Current Biology/Royal Saskatchewan Museum/R.C. McKellar)Noch nicht einmal seine Jugend konnte vor 99 Millionen Jahren ein gerade einmal spatzengroßer Zwergsaurier beenden. Ob das winzige Tier mit seinem Schwanz in klebrigem Baumharz hängenblieb und deshalb starb, oder ob es bereits tot war und dann von Harz teilweise umschlossen wurde, lässt sich heute nicht mehr sagen. Doch der Harz machte aus dem unglücklichen Kleinreptil eine Sensation für heutige Paläontologen. Mittlerweile ist er nämlich in Bernstein umgewandelt worden und hat acht Schwanzwirbel mitsamt Federn und Hautresten konserviert. Dunkle Flecken um die Wirbel herum deuten die bearbeitenden Wissenschaftler um Ryan McKellar vom Royal Sasketchewan Museum und Lida Xing von der Universität für Geowissenschaften in Peking als Spuren des Fleisches, das sich bei der Einbalsamierung auflöste.

Ryan McKellar und Lida Xing mit dem Bernstein-Fossil eines gefiederten Sauriers aus der Kreidezeit. (Bild: Current Biology/Shenna Wang)Welcher Art der Winzling angehörte, ist aufgrund seiner Schwanzwirbel nicht mehr genau zu sagen. Wegen der Federn tippen die Forscher aber darauf, dass es ein Coelurosaurier ist. Die große Mehrheit aller bislang gefundenen gefiederten Dinosaurier gehört dieser Gruppe an - auch die Vögel haben sich aus ihrer Mitte heraus entwickelt. Coelurosaurier sind extrem vielfältig - so gehört etwa auch der gigantische Tyrannosaurus rex in diese Gruppe - und sie lebten von der Trias bis zum Ende der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren, also mehr als 160 Millionen Jahre lang. Allen gemeinsam ist, dass sie einen sehr leichten Knochenbau hatten und wohl die meiste Zeit auf ihren kräftigen Hinterbeinen liefen.

Mögliches Aussehen des Jungsauriers. (Bild: Current Biology/Chung-tat Cheung)Der spatzengroße Saurier, der in "Current Biology" vorgestellt wurde, ist der erste Dinosaurier überhaupt, der zweifelsfrei als Bernsteinfossil überliefert wurde. Dass es kein Vertreter der Vögel ist, schließen McKellar und seine Kollegen aus der Tatsache, dass die Wirbel beweglich waren und nicht zu einem Stab versteift, wie ihn die Vögel seit den primitiven Confuciusornithidae aus der frühen Kreidezeit besitzen und zur Flugstabilisierung benutzen. Der im Bernstein konservierte Saurier hat dagegen seinen Schwanz wohl eher als Signalinstrument benutzt, eine genaue Untersuchung der flaumigen Federn, die sich erhalten haben, ergab, dass sie an der Körperoberseite kastanienbraun, an der Unterseite dagegen hell gefärbt waren.

Dinosaurierfeder. (Bild: Current Biology/Royal Saskatchewan Museum/R.C. McKellar)Die Federn selbst gehören einer Zwischenstufe zwischen einfachen Daunen und den hochentwickelten Konturfedern, die heutige Vögel besitzen. Sie haben noch nicht den zentralen Kiel wie die Konturfedern und sind auch eher so wollig wie Daunenfedern, aber die Anlage zu einer zentralen Achse ist bereits erkennbar. Die Federäste, die später seitwärts aus dem Kiel herauswachsen, sind bei dem Bernsteinfossil bereits auf einer Achse angeordnet, doch die hat noch nicht die Stärke eines Federkiels. Die Federäste selbst sind schon in die Strahlen verzweigt, die aus heutigen Federn erst die elastische Fläche machen, die selbst die Kräfte während des Fluges aushält. Doch diesen Strahlen fehlen noch die Haken, mit denen sie die Federäste verzahnen. Der Dinosaurierfund wäre damit an einem einzigartigen Punkt der Federevolution platziert: schon verzweigt und gerichtet, doch noch nicht so akzentuiert, wie bei den Vogelfedern.
 
Rekonstruktion des Dinosaurierschwanzes, konserviert in 99 Millionen Jahre altem Bernstein aus Myanmar. (Bild: Current Biology/Lida Xing)Einzigartig wie das Fossil selbst ist auch seine Fundgeschichte, denn es stammt diesmal nicht aus den seit einigen Jahren mit immer neuen Saurierfunden aufwartenden Fundstätten im Nordosten Chinas, die gerade die Forschung über die gefiederten Saurier vorantreiben. Stattdessen kommt das Fossil von einem Bernsteinmarkt in Myanmar, dem früheren Birma. Lida Xing fand das 3,7 Zentimeter große Stück 2015 dort, angepriesen wurde es als Pflanzenfossil. Woher es ursprünglich stammt, ist nicht bekannt.