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Grüne Pisten zum Jahrhundertende

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 10.03.2017 17:11

Die Wintersportorte in den Alpen waren auch im abgelaufenen Winter 2016/17 das Ziel von Millionen Schneetouristen. Viele, die sich auf prächtigen Pulverschnee gefreut hatten, wurden allerdings enttäuscht. Der Winter war einer der schneeärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Schweizer Wissenschaftler prognostizieren in der Fachzeitschrift "The Cryosphere", dass sich die Schneesituation in Europas Hochgebirge in Zukunft noch drastisch verschlechtern wird.

Mit Schneemangel kämpfen immer mehr Ski-Gebiete in den Alpen. (Bild: SLF, Archiv)Die heftigen Schneefälle der letzten Tage konnten die Bilanz in den Alpen nicht mehr nennenswert verbessern. In Deutschland, Österreich und der Schweiz war der jüngste Winter einer der schneeärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Westschweiz und im Wallis lag so wenig Schnee wie seit rund 40 Jahren nicht mehr, in Österreich südlich des Alpenhauptkamms blieben die Hänge zuletzt vor 20 Jahren so grün. Auf der Nordseite der Alpen war es etwas besser, aber auch hier lag man unterhalb des langjährigen Mittels.  Schweizer Forscher stimmen Skifahrer und Liftbetreiber jetzt in der europäischen Wissenschaftszeitschrift "The Cryosphere" darauf ein, dass grüne Winter in großen Teilen der Alpen künftig zur Normalität werden dürften.

Die Schneedecke wird bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 70 Prozent abnehmen, am stärksten in den tieferen Lagen unterhalb von 1200 Metern. Hier wird sich auch die Ski-Saison drastisch verkürzen. Statt heute vier halbwegs schneesicheren Monaten gibt es dann nur noch zwei, von Mitte Dezember bis Mitte Februar. Doch auch die ausgesprochenen Höhenlagen über 3000 Meter müssen mit 40 Prozent weniger Schnee rechnen. Zum Ende des Jahrhunderts werden nur Lagen über 2500 Meter ausreichend zuverlässig Naturschnee bekommen, um ohne Kunstschnee als Wintersport-Ort reüssieren zu können. In Österreich und der Schweiz sind das rund 20 Prozent der heutigen Ski-Arenen, in Deutschland nur die Zugspitze.

Schneekanonen sind in vielen Ski-Gebieten der Alpen inzwischen notwendig. (Bild: SLF, Marcia Philips)Die Forscher um Christoph Marty vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos haben 20 übliche Klimamodelle benutzt, um drei verschiedene Szenarien durchzurechnen. "Die Schneedecke wird ohnehin abnehmen", sagt Marty, "unsere künftigen Emissionen bestimmen, um wie viel." Bei zwei dieser Szenarien wuchs der Klimagas-Ausstoß stark beziehungsweise moderat, weil keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen wurden und die Weltwirtschaft stark beziehungsweise moderat wuchs. Das dritte Szenario ging dagegen von effizienten Schutzmaßnahmen aus, die den globalen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts unterhalb von zwei Grad hielten. Mit diesen Klimadaten fütterten sie ein regionales Alpenmodell, um die Schneebedeckung zu simulieren.

Dabei werden die Winter nicht trockener, ganz im Gegenteil. Der Niederschlag im Winter wird sogar leicht zunehmen. "Er dürfte jedoch wegen der gleichzeitig steigenden Temperaturen als Regen und nicht als Schnee fallen", so Marty. Bei steigenden Temperaturen dürften auch die Schneekanonen, die bereits jetzt vielerorts eingesetzt werden, an ihre Grenzen kommen. Die Forscher raten daher vor allem den Ski-Gebieten in niedrigeren Lagen, sich um Alternativen zum Wintersport zu bemühen. "Viele Bergdörfer hängen stark vom Wintertourismus ab", sagt Martys Kollege Sebastian Schlögl, "damit werden dort Wirtschaft und Gesellschaft stark betroffen sein."

Der Gran Combin als einer der höchsten Berggipfel der Alpen, Schweiz. (Bild: Sunna, CC BY-SA 3.0)Bei einem globalen Temperaturanstieg von nur zwei Grad wären die Konsequenzen für den alpinen Wintersport geringer, wenn auch weiterhin spürbar. Diese Grenze haben die Staaten der Welt eigentlich auf der Klimakonferenz von Paris 2015 als absolute Obergrenze ins Auge gefasst. Bislang deutet aber nichts darauf hin, dass das Ziel auch planmäßig erreicht werden wird. Die Touristik-Destinationen in den Alpen sollten daher wirklich mit Alternativen zur Weißen Pracht planen.