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Japanlog #6: Vorher-Nachher

erstellt von eschick zuletzt verändert: 21.10.2016 10:17

Das Schiff liegt kurzzeitig im Hafen: Ein Teil der Besatzung geht von Bord, neue Wissenschaftler kommen dazu. Der erste Fahrtabschnitt liegt hinter Michael Strasser und seinem Team auf der Sonne. In seinem Rückblick erklärt uns der Fahrtleiter die bathymetrischen Vorher-Nachher-Karten aus der Erdbebenzone des Japangrabens.


Blick vom Schiff auf den Hafen von Yokohama. (Bild: Achim Kopf)

Blick vom Schiff auf den Hafen von Yokohama. (Bild: Achim Kopf)


Das Forschungsschiff Sonne befindet sich bereits wieder im Hafen von Yokohama, Japan, wo der erste Fahrtabschnitt von SO251 zu Ende ging. Wir können auf einen überaus erfolgreichen Teilabschnitt zurückblicken, in dem wir alle prioritären Ziele des EAGER-Japan-Projekts für den Japangraben erreicht haben.

Während unserer Fahrt haben wir den gesamten Japan-Trench-Tiefseegraben zwischen 36° bis 40.3° N kartiert. Sechs zehn Meter lange Kerne konnten erfolgreich aus über sieben Kilometer Wassertiefe gewonnen werden, um die sedimentären Prozesse und Ablagerungsereignisse entlang der gesamten Subduktionszone des Japangrabens zu dokumentieren. Ebenfalls haben wir an drei Lokationen entlang des Kontinentalabhangs fünf Meter lange Doppel-Kerne gezogen. Diese Kerne vom Abhang werden in den Schiffslabors und später in den Laboren der Forschungsgruppe für Marine Geotechnik am MARUM (Universität Bremen) auf ihre Sedimentfestigkeit und ihr Deformationsverhalten unter der Einwirkung dynamischer Spannungen, wie sie bei Großerdbeben wirken, untersucht. Daraus werden wir ableiten können, bei welchen Erdbebenerschütterungen Sediment vom Abhang in den Tiefseegraben transportiert wird. Mit diesen Erkenntnissen werden wir das geologische Archiv vergangener Erdbeben im Japangraben quantitativ auf die Stärke vergangener Erdbeben analysieren können.

Bathymetrische Karte entlang der Trench-Achse des Japangrabens. (Bild: Michael Strasser) Desweiteren haben wir auf 39.3° nördlicher Breite ein rund 175 Kilometer langes Ost-West Profil senkrecht zum Streichen der Subduktionszone vermessen. Die Profillinie entspricht exakt der Spur einer bathymetrischen Vermessung von der Japan Agency for Marine Earth Science and Technology (JAMSTEC), die im Jahr 2007, vier Jahre vor dem großen Tohoku-oki Erdbeben, durchgeführt worden war. Aus der Differenz zwischen unseren neuvermessenen bathymetrischen Daten (nach dem Erdbeben) und den Daten der JAMSTEC-Kollegen (vor dem Erdbeben) erhoffen wir uns neue Erkenntnisse darüber, ob und wie weit sich der Meeresboden nahe der nördlichen Begrenzung der Bruchfläche des 2011-Erdbebens verschoben hat.

Last but not least haben wir erfolgreich eine Kernlokation der Sonne-Ausfahrt SO219A aus dem Jahre 2012 wiederholt. Damals haben wir in den chemischen Analysen des Sedimentporenwassers interessante Anomalien gemessen, die wir als transiente Signale – ausgelöst durch die Ablagerungen durch das Erdbeben von 2011 – interpretierten. Nun, fünfeinhalb Jahre nach dem Erdbeben, können wir dank erneuter Beprobung des Porenwassers an dieser Lokation die Veränderung studieren und Prozessraten quantifizieren.

Das Team des ersten Expeditionsabschnitts SO251-A auf der Sonne. (Bild: Michael Strasser)

Das Team des ersten Expeditionsabschnitts SO251-A. (Bild: Michael Strasser)

Knapp die Hälfte des Science Teams des ersten Fahrtabschnitts ist bereits von Bord gegangen, unter anderem auch Jess Hillmann, die bisher die Logbucheinträge verfasst hat. Neu an Bord gekommen sind das Team des Remotely Operated Vehicle (ROV, deutsch: ferngesteuertes Fahrzeug) vom Geomar, Achim Kopf als Fahrtleiter für den zweiten Abschnitt und Wissenschaftler aus Bremen und internationalen Partnerinstitutionen. Wir machen uns bereit für den zweiten Fahrtabschnitt, der uns ab morgen ins Kumanobecken der Nankai-Subduktionszone bringen wird.

Michael Strasser, Leiter des ersten Fahrtabschnitts SO251


FS Sonne neu 2014 (thumb)Im Fokus der Ausfahrt SO251 steht die Erforschung des geologischen Archivs vor der Küste Japans. Erdbeben, submarine Rutschungen und Tsunamins hinterlassen ihre Spuren in den Sedimenten des Japangrabens und Nankaitrogs. Diesen spüren die Geowissenschaftler nach, um Entstehung und Folgen der Beben besser zu verstehen und daraus Modelle zu entwickeln. Im Logbuch berichten sie über das Leben und Arbeiten an Bord.

Eine Kooperation mit dem MARUM und der Universität Innsbruck.