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Indexlog #6: Raumschiff Enterprise

erstellt von eschick zuletzt verändert: 25.09.2017 09:54

"Die ‚Enterprise‘ stößt ist Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat." Seit wir Cluster 12 erreicht haben, geht mir das Intro der Science-Fiction-Serie nicht mehr aus dem Kopf. Als Kind war ich fasziniert davon, habe keine Folge verpasst. Nun fühle ich mich wie in einem Abenteuer an Bord der "Enterprise".


Blick in den Gang auf Deck 6 des Forschungsschiffes Sonne. (Bild: BGR)

Blick in den Gang auf Deck 6 des Forschungsschiffes Sonne. (Bild: BGR)

Himmel und Meer zeigen sich täglich in einer neuen Konstellationen aus Wolken, Wellen und Blautönen. Vom Schiff aus stoßen wir in die unendliche Galaxie "Tiefsee" vor, in eine Welt, die ebenfalls noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Mit unseren unbemannten Mini-Raumschiffen können wir in die letzten Winkel der Unterwasser-Galaxie fliegen. Auch mit den Unbilden des Universums haben wir zu kämpfen, wenn ein Sturm aus der Antarktis unser Schiff durchrüttelt.  Selbst beim Gang von meiner Kabine auf Deck 6 in den Hangar auf Deck 3 beschleicht mich das Gefühl, an Bord eines Raumschiffes zu sein. Jedes Deck ist farblich anders gestaltet: Das Arbeitsdeck mit den Laboratorien ist blau, das der Messe ist rot gestaltet. Mir begegnen geschäftige, "uniformierte" Forscher im dunkelblauen Sonne-Shirt mit weiß gestickter Schiffs-Applikation und Maschinisten im Blaumann. Nur mit "Wharp"-Geschwindigkeit ist die Sonne nicht unterwegs, sondern mit maximal 15 Knoten, was ungefähr 27 Kilometern in der Stunde entspricht.

Deutsches Explorationsgebiet unterteilt in 10x10 km große Blöcke (weiße Quadrate), die 12 Cluster bilden. (Bild: BGR) "Der Schwerpunkt dieser vierten Explorationsfahrt ist die Entdeckung von Erzvorkommen in dem unbekannten südöstlichen Teil des deutschen Lizenzgebietes. Dafür durchkämmen wir jetzt die bislang noch nicht erkundeten Cluster 10, 11 und 12", erklärt Geologe und Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera. Die Erzvorkommen in der Tiefsee stecken voller Kupfer, Zink, Blei, aber auch Gold, Silber und wichtiger Spurenmetalle. Sollten diese begehrten Rohstoffe eines Tages knapp werden, könnten wir oder auch unsere Nachkommen sie dort abbauen – umweltverträglich, versteht sich. Die gesuchten Metalle werden unter heißen Quellen am basaltischen Meeresboden angereichert, den "Schwarzen Rauchern". Zu finden sind sie entlang der untermeerischen Spreizungszonen, den mittelozeanischen Rücken. So auch im Indischen Ozean.

Die Erze bilden sich, wenn drei wichtige Faktoren zusammenkommen: metallhaltiges Gestein, ausreichend Wärme sowie Spalten im Gestein als Wegsamkeit. Sickert Meerwasser über die Spalten in das heiße vulkanische Gestein, erwärmt es sich auf bis zu 500 Grad Celsius. Das erhitzte Meerwasser laugt die Metalle aus dem Gestein aus und führt sie gelöst mit. Steigt diese Lösung wieder auf, tritt sie als bis zu 400 Grad Celsius heiße schwarze Fontäne, als sog. "Schwarzer Raucher", am Meeresboden aus. Beim Kontakt mit dem nur zwei Grad Celsius kalten Meereswasser kühlt die Lösung schlagartig ab, dabei werden die gelösten Metalle als Mineral fixiert und damit angereichert. Um die Austrittsstelle bildet sich ein säulenförmiger Erzschornstein. Er kann mehrere Zentimeter pro Tag wachsen. Der Schornstein sitzt einem Erzhügel auf und markiert gewissermaßen das Erzvorkommen im Untergrund. Früher oder später erlischt die heiße Quelle. Der Erzschornstein wird inaktiv.

 Ein Schwarzer Raucher. (Bild: BGR) Genau diese inaktiven Schlote sind für einen Abbau geeignet. Die gesuchten Erzhügel unter den Schloten haben einen Durchmesser von durchschnittlich 150 Metern. Das entspricht ungefähr der Größe eines Fußballfeldes. "Die Herausforderung für uns Forscher besteht darin, die Schlote von der Wasseroberfläche aus bis zu 4000 Metern Höhe zu entdecken. Und das über einem Gebiet, das insgesamt 70 Kilometer breit und über 1000 Kilometer lang ist, also von Flensburg bis Berchtesgaden reicht", betont Ulrich Schwarz-Schampera. "Das gleicht der Suche nach Nadeln im Heuhaufen." Aber auch wenn die Forscher im Südosten keine Erzvorkommen finden sollten, sind sie einen gewaltigen Schritt weiter. Exploration von Lagerstätten bedeutet auch, Gebiete auszugrenzen und nur die deutlich Erfolg versprechenden Areale detaillierter zu erkunden. "Aber unsere bisherigen Untersuchungen in den Nachbargebieten lassen darauf schließen, dass wir hier tatsächlich Erzablagerungen finden werden", ist sich Ulrich Schwarz-Schampera sicher.

Viele Grüße von der Sonne,

Bettina Landsmann, BGR-Geologin


Das neue Forschungsschiff SONNE trat seinen Dienst im Frühjahr 2014 an. (Bild: M. Hartig/Meyer Werft)Im Rahmen der Ausfahrt SO259 begibt sich ein Forschungsteam mit Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) in das deutsche Lizenzgebiet im Indischen Ozean. Dort wollen sie Metallsulfidvorkommen an Schwarzen Rauchern aufspüren.

Im Logbuch für planeterde berichtet das Team direkt von Bord der SONNE.

Eine Kooperation mit der BGR.